Die Wechseljahre

Hormonersatz-Therapie in den Wechseljahren

Wann beginnt normalerweise der Wechsel?

Im Durchschnitt kommen Frauen etwa zwischen dem 50. und 52. Lebensjahr in die Wechseljahre, die sog. Menopause bzw. Klimakterium.

Was ändert sich mit dem Wechsel?

Etwa ab dem 45. Lebensjahr kommt es zu einer zunächst leichten, später immer gravierenderen Einschränkung der Hormonproduktion der Eierstöcke. Zunächst geschieht das meist durch zunehmend ausbleibende Eisprünge und damit Verminderung der Gelbkörperhormon-Produktion, später dann auch durch die Verminderung der eigentlichen Estrogen-Produktion. Noch später folgt dann auch eine Einschränkung der Androgen-Produktion, der männlichen Hormone der Eierstöcke.

Spüren auch Frauen unter der Pille den Wechsel?

Frauen, die zu dieser Zeit noch eine Pille einnehmen, weisen meist keine klimakterischen Symptome durch Hormonmangel auf, da sie ja die entsprechenden Hormone von außen zuführen.

Wie lange ist eine Frau fruchtbar?

Vielen Frauen ist nicht bewusst, dass es – wie wir insbesondere von der Auswertung verschiedener Register für die künstliche Befruchtung (IVF) wissen – ab etwa dem 40. Lebensjahr zu einem doch zunehmend dramatischen Verlust der Fruchtbarkeit kommt und Frauen z.B. zwischen dem 45. und 49. Lebensjahr  nur mehr eine etwa 5%ige Chance haben, innerhalb von 2 Jahren schwanger zu werden. Trotzdem kann man eine Schwangerschaft in diesen Jahren natürlich nicht generell ausschließen und so verwenden viele Frauen auch in diesen Jahren noch die Pille oder andere Verhütungsmethoden. Bei den heute sehr niedrig dosierten Pillenpräparaten ist dies, insbesondere wenn sie bereits über einen längeren Zeitraum eingenommen wurden, auch meist ohne besondere Risiken möglich und führt darüber hinaus meist zu regelmäßigen Menstruationsblutungen.

Welche Frauen leiden besonders unter Wechselbeschwerden?

Der zunehmende Ausfall der Hormonproduktion der Eierstöcke führt bei ungefähr einem Drittel der Frauen zu sehr starken und behandlungsbedürftigen Wechselbeschwerden; insbesondere wenn durch eine operative Entfernung der Eierstöcke die Produktion der Hormone innerhalb von sehr kurzer Zeit ausfällt, kann es zu entsprechenden Mangelerscheinungen, wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Nachtschweiß und Schlaflosigkeit kommen.

Hat eine Hormonersatztherapie neben der Behebung der Hitzewallungen und Schweißausbrüche auch weitere Vorteile?

Noch vor einigen Jahren war man der Meinung, dass man durch eine generell sehr großzügige Hormonersatztherapie nicht nur die unmittelbaren Beschwerden des Hormonmangels entsprechend behandeln kann, sondern auch beispielsweise eine Prophylaxe gegenüber z.B. Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkt erzielen kann. Durch mehrere groß angelegte, sehr umfangreiche Studien, wie die sog. WHI Studie (Womens´ Health Intitiative), hat man dann erkannt, dass nur bei Frauen, die unmittelbar nach Aussetzen der körpereigenen Hormonproduktion mit der Hormonersatztherapie beginnen, die prophylaktische Wirkung im Hinblick auf eine Verzögerung der Arteriosklerose erreicht wird. Gleichzeitig ergaben diese Studien auch, dass beim Einsatz der kombinierten Hormonersatztherapie – also Verabreichung von Estrogenen und Gelbkörperhormonen – es zu einer leichten Erhöhung des Risikos für Brustkrebs kommt. Neueste Auswertungen dieser groß angelegten Studien haben allerdings ergeben, dass bei alleiniger Verabreichung von Estrogen wahrscheinlich sogar ein gewisser Schutz bezüglich Brustkrebs besteht und das Risiko offenbar nur bei kombinierten Therapien mit Estrogenen und speziellen synthetischen Gelbkörperhormonen leicht erhöht ist.

Gibt es auch heute noch Tabus bezüglich der Wechselbeschwerden?

Heutzutage gibt es üblicherweise nur mehr wenige Tabus im Bezug auf die Erwähnung von Wechselbeschwerden und Frauen diskutieren meist sehr offen über Hitzewallungen und Schweißausbrüche, aber auch über Stimmungsschwankungen und depressive Symptome, die ebenfalls Zeichen eines Hormonmangels sein können.

Welche sonstigen Beeinträchtigungen kann es durch den Hormonmangel geben?

Da Hormone, wie Estrogene und Gelbkörperhormone, nicht nur die Durchblutung des Gehirns über ihren Einfluss auf die Gefäßwände beeinflussen können, sondern selbst im Rahmen von Stoffwechselvorgängen im Gehirn entsprechende Auswirkungen haben, kann es eben bei Hormonmangel auch zur Beeinträchtigung von Gehirnleistungen kommen; depressive Phasen, aber auch Leistungsabfall oder verminderte Merkfähigkeit können daraus resultieren.

Wie wird sich die Therapie der Wechselbeschwerden weiter entwickeln?

Die individuelle Einstellung zum Verlust der Fruchtbarkeit, aber auch zu potenziellen Beeinträchtigungen, die das fortschreitende Alter mit sich bringt, hat natürlich entsprechende Auswirkungen. Auch die Beeinträchtigung durch mögliche Wechselbeschwerden kann ein Problem sein. Gynäkologen sehen immer wieder Frauen, die offenbar ganz massiv durch den Hormonausfall beeinträchtigt werden und die allein zur Verbesserung ihrer Lebensqualität einer entsprechenden Therapie bedürfen. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass eine niedrig dosierte und kontrollierte Hormonersatztherapie für solche Fälle vorwiegend positive Auswirkungen hat. Darüber hinaus wird es in Zukunft auch Hormonkombinationen geben, die insbesondere die Vorteile der früheren Kombinationstherapie, nicht aber deren Nachteile, wie eben die leichte Erhöhung des Risikos für Brustkrebs, aufweisen. 

Wie sieht es mit sonstigen Beeinträchtigungen durch die fehlende Hormonproduktion aus?

Gewichtszunahme, Haarausfall und Damenbart, die im Rahmen des Wechsels auftreten können, zeigen, dass der Hormonausfall durchaus zu klinisch sehr unangenehmen Symptomen führen kann. Haarausfall und Damenbart sind häufig durch ein Überwiegen der Androgen-Produktion, also der männlichen Hormone aus Eierstock und Nebennieren, verursacht und können deshalb ebenfalls entsprechend „hormonell“ behandelt werden. Bei der Gewichtszunahme, die durch Estrogenmangel ausgelöst wird, ist es leider nicht so einfach, durch eine entsprechende Estrogenzufuhr das Problem zu beheben. Hier spielen Dosierungs- bzw. Konzentrationsfragen eine Rolle; das System der Gewichtsregulation ist allerdings derart komplex und weitere Veränderungen von Parametern im Klimakterium, wie Leptin, Insulin-like-Growth-Factor, Homocystein etc. werden in letzter Zeit verstärkt erforscht. In diesem Zusammenhang sind insbesondere eine entsprechende Ernährungsberatung, sowie natürlich eine verstärkte körperliche Aktivität unbedingt anzuraten.

Gibt es auch Vorteile durch den Wegfall der Hormonproduktion?

Manche Frauen leben im wahrsten Sinn des Wortes auf, wenn sie keine Menstruation mehr haben, kein Risiko für eine Schwangerschaft besteht und vielleicht auch die Erziehungsverantwortung für Kinder entfällt, die aus dem Haus ziehen; aber das hängt natürlich auch von vielen anderen Aspekten und von individuellen Zuständen ab, wie man sich dann letztlich wirklich fühlt.